Du willst ruhig bleiben.
Und plötzlich bist du laut geworden.

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Wenn´s kippt

Gedanken aus dem echten Familienalltag


Hier schreibe ich meine Gedanken auf, die mich in meinem Familienalltag beschäftigen.
Ich erlebe selbst jeden Tag genau das, worüber ich in CarLa spreche.
Und das ist mein Raum, um zu sortieren und zu reflektieren.


16. April 2026


20 Minuten nur mit meinem Kopf

Der letzte Mittwochmorgen war für mich ein Weckruf.
Mein Akku war leer und ich bin schon im Gelb in den Tag gestartet. So geht’s nicht weiter.
Also habe ich mir ganz bewusst eine Oase eingeplant.

Ich wusste auch sofort, was ich machen will: einfach nichts.
20 Minuten auf der Couch sitzen und nichts tun.

Kein Handy, kein „ich erledige schnell noch…“, kein Podcast, kein Netflix.

Klingt einfach. War es nicht.

Nach ungefähr 30 Sekunden hatte ich das Bedürfnis, wieder aufzustehen.
Nicht, weil ich keine Zeit gehabt hätte, sondern weil mein Kopf einfach nicht aufgehört hat zu arbeiten.


Plötzlich war alles da.
Was ich noch erledigen muss.
Was ich vergessen habe.
Was ich besser machen sollte.
Es wurde nicht ruhig – es wurde immer lauter.

Und genau in diesem Moment habe ich gemerkt:
Ich kann gar nicht mehr richtig runterfahren – mein Nervensystem ist im Dauerbetrieb.
Nicht, weil ich es nicht will, sondern weil mein System das so nicht mehr kennt.

Überall hört man: „Regulier dich.“
Aber die Wahrheit ist: Die meisten von uns können das im Alltag gar nicht mehr einfach so.

Nicht auf Knopfdruck.
Nicht zwischen zwei Terminen.

Weil unser Nervensystem an Stress, Druck und ständiges Funktionieren gewöhnt ist.

Ich bin trotzdem sitzen geblieben.

Nicht entspannt, nicht ruhig, nicht irgendwie „angekommen“ – sondern einfach da.

Und vielleicht ist genau das der Punkt, den wir oft übersehen:
Regulation fühlt sich am Anfang nicht gut an.

Sie fühlt sich ungewohnt an, langsam, manchmal sogar fast falsch.
Und trotzdem ist sie der erste Schritt raus aus diesem Dauerzustand.
Nicht perfekt.
Nicht schön.
Aber echt.

Viele Eltern erleben genau das:
Sie wollen sich regulieren – aber ihr Nervensystem findet nicht mehr in die Ruhe zurück.
Und genau dort beginnt Veränderung.

Nicht im Perfektsein.
Sondern im Bemerken.




08. April 2026

Heute will ich dich nicht begleiten

Meine wundervolle, laute, wilde, emotionale Maus, wird in Kürze 4 Jahre alt und ist gerade wunderbar mitten in ihrer Autonomiephase. Das macht das Leben bei uns zu Hause gerade emotional, wild und vor allem laut. 

Heute morgen, war wieder so ein Moment. Gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder schlüpfen die beiden unter meine Bettdecke. An und für sich genieße ich da sehr, aber ich weiß auch, wenn ich nicht vor ihnen aufstehe, wird der Morgen für mich schwer. Ich bin ein ausgewachsener Morgenmuffel und brauch so ca. 15 Minuten Vorlaufzeit um auf Touren zu kommen. 

Tja, an diesem Morgen hat mir das eindeutig gefehlt. Wir liegen also gemeinsam im Bett und knuddeln vor uns hin, bis der Kleine entscheidet, jetzt ist es genug. Also aufstehen - und da geht's los. 

Zähneputzen… meine Tochter denkt nicht mal daran. Also werde ich pampig. 

„Gut, dann geh ich deinen Bruder anziehen. Machen wir danach gemeinsam.“

Nein, dass will sie auch nicht. 

Sie will jetzt etwas Blaues anziehen. 

Im Kasten nur ein blaues Kleid. Nein - sie will heute kein Kleid. 

Soll ich etwas aussuchen. 

Ja! - Nein, dass will sie auch nicht. 

Es geht weiter und weiter und ich werde zorniger und vor allem bockiger. In einem unbeherrschten Moment, schlag ich mit der flachen Hand gegen die Kastentüre. Meine Gedanken rasen. 

"NEIN, ich will dich jetzt nicht aus deiner Emotion holen." 

"NEIN, ich will dich jetzt nicht begleiten." 

"NEIN, ich habe das nicht angefangen. Sie selber zu, wie du das hinkriegst." 

"JA, ich weiß, das ist nicht richtig." 

Sie sitzt mit ihrer Unterhose bekleidet im Bad und brüllt. 

Ich gehe mit meinem Sohn in die Küche und lass sie im Bad zurück. Ich hör sie noch schimpfen und brüllen. Irgendwann kommt sie zu uns. Zieht sich an und geht sich die Zähne putzen. 

Ich denke mir: "Geht doch"

Und innerlich weiß ich, dass ich heute verkackt habe. 

Sie tut das nicht, weil sie reguliert war und wir eine Bindung hatten. Sie tut das nur, um mir zu gefallen. Also setzte ich mich einen Moment zu ihr. Nehme sie in den Arm - sag ihr wie lieb ich sie habe und beschwöre mich innerlich es beim nächsten Mal wieder besser zu machen.

 Denn ich weiß wie es geht. 


Vielleicht geht es bei mir gerade gar nicht mehr nur darum, den Moment an sich zu erkennen.

Sondern darum, mein System vorher überhaupt wieder in ein stabiles Grün zu bringen.

Ich habe das Gefühl, dass ich im Moment von Grund auf gestresst bin.

Und dass es mir genau deshalb so schwerfällt, mich bewusst zu regulieren.

Fast so, als würde ich den Ausbruch schon vorher mit mir herumtragen.

Als würde er nur noch auf einen Anlass warten.

Vielleicht geht es gerade gar nicht darum, den Moment besser zu machen.

Sondern darum, früher anzusetzen.

Ehrlich hinzuschauen, in welchem Zustand ich überhaupt starte.

Denn wenn ich schon im Gelb losgehe, ist es kein Wunder, dass es irgendwann kippt.




 
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